|
Gebärmutterentfernung (Hysterektomie, Abk. HE)
Die Entfernung der Gebärmutter ist eine der häufigsten Operationen in der Gynäkologie Bei jeder dritten Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens die Gebärmutter entfernt. Davon mindestens 50% wegen der Diagnose "Uterus Myomatosus". Nur 10% der Hysterektomien erfolgt wegen bösartiger Erkrankungen.
Die Gebärmutter dient funktionell tatsächlich "nur" der Fortpflanzung als Brutstätte des Kindes. Emotional sind an die Gebärmutter aber vielfältige Vorstellungen und Funktionen geknüpft. Sie ist Symbol der Weiblichkeit, der Fortpflanzungsmöglichkeit und der Integrität der weiblichen Genitalorgane. Sie ist Ursache für die Regelblutung, die Ausdruck der Schwankungen im Hormonhaushalt der Frau ist.
Blutungsstörungen, schmerzhafte Regelblutungen und Myome sind fast ausschließlich Erkrankungen des Gebärmutterkörpers und fast nie des Gebärmutterhalses.
Der Gebärmutterhals ist der Ort der Krebsentstehung des sog. Cervixkarzinoms. Früher war der Gebärmutterhalskrebs die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. Durch die Vorsorgeuntersuchung und heutzutage ausgereifte Diagnostik und Behandlung der Vorstufen des Krebses, ist das Krebsrisiko bei Frauen, die regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen, minimal.
Der Gebärmutterkörperkrebs ist nicht ganz so leicht als Vorstufe zu erkennen. Er ist insgesamt etwas seltener (15 pro 100.000 Frauen / Jahr) als der Gebärmutterhalskrebs (20 / 100.000 / Jahr). Er ist vom Verlauf her meist "gutartiger" und führt daher weniger häufig zum Tode.
Ist der Erhalt des Gebärmutterhalses von Bedeutung?
Der Gebärmutterhals (lat. Cervix) bildet die Verbindung von Scheide und Gebärmutter. An ihm ist der stärkste Halteapparat der Gebärmutter (die Sacrouterin-Bänder) befestigt. Die Cervix ist stark durchblutet und vorn mit der Harnblase verbunden. Seitlich laufen neben der Cervix die Harnleiter und nach vorn hin Nervenfasern der Harnblase.
Alle diese Strukturen bleiben unverletzt und müssen nicht mühsam freipräpariert werden, wenn bei der Gebärmutterentfernung die Cervix erhalten bleibt. Das macht die Operation um einiges schneller und schonender. Auch kann der Bauchschnitt (sofern die Operation nicht per Bauchspiegelung geht) deutlich kleiner ausfallen, da nicht in der Tiefe des Bauches operiert werden muss und somit die Übersicht auch bei kleinem Schnitt gegeben ist.
Ob das Vorhandensein des Gebärmutterhalses zu einem besseren sexuellen Erleben führt, ist nicht bewiesen. Die dort vorhandenen Nerven sind offenbar nicht für die sexuellen Gefühle wichtig. Dennoch gibt es einzelne Frauen, für die Bewegungen am Muttermund genussvoll sind und welche, für die aus psychologischen Gründen, die Integrität am Scheidenende auch beim Sex von Bedeutung ist.
Der Erhalt des Gebärmutterhalses birgt das Risiko der Krebsentstehung. Frauen, die einen positiven Virustest auf die Risikotypen des HPV Virus haben, Frauen die rauchen und häufig wechselnde Geschlechtspartner haben, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko.
Bei Frauen, die HPV negativ sind und regelmäßig zur Krebsvorsorge gehen, kann der Gebärmutterhals problemlos erhalten werden.
Welches ist der beste Weg der Gebärmutterentfernung, was gibt es für Möglichkeiten?
Für die Entscheidung, welches der beste Weg ist spielen folgende Kriterien eine Rolle:
- möglichst ungefährlich
- möglichst ohne Bauchschnitt (besonders bei Diabetes und/oder Übergewicht)
- möglichst schonend (minmal invasiv)
- an die Krankheit angepasst (z.B. bei Krebserkrankungen)
- an zusätzliche Erkrankungen angepasst (Eierstockszyste, Verwachsungen....)
- möglichst kurze Erholungszeit nach der Operation
Im Einzelfall muß nach Art der Erkrankung, der Größe der Gebärmutter, der Enge oder Weite der Scheide (Kind beboren?) und der Beweglichkeit der Gebärmutter entschieden werden, welches der geeignete Weg ist.
Moderne Kliniken haben heutzutage ein großes Spektrum an Möglichkeiten.
cervixerhaltende OPs:
a) supracervikale Hysterektomie per Bauchschnitt (= supracervicale abdominale Hysterktomie) b) supracervikale Hysterektomie per Bauchspiegelung (Laparoskopie) = LASH
nicht cervixerhaltende OPs:
c) durch die Scheide (= vaginale Hysterektomie) d) kombiniert per Bauchspiegelung und von der Scheide aus = LAVH e) per Bauchschnitt (= totale abdominale Hysterektomie)
neueste Technik:
f) komplette Entfernung per Bauchspiegelung (totale laparoskopische Hysterektomie)
a) sanfte supracervikale Hysterektomie per Bauchschnitt ( Misgav Ladach like )
Auch diese Technik kann sehr schonend ausgeführt werden, obwohl ein Bauchschnitt gemacht werden muss. Ein Bauchschnitt kommt immer dann zur Anwendung, wenn die Größe der Gebärmutter oder deren Lage verhindert, dass man mit der Bauchspiegelung ausreichend sicher und risikoarm vorgehen kann.
Wir wenden bei uns in der Klinik die schonende Bauchdeckeneröffnung " Misgav Ladach like" an. Dabei orientieren wir uns an der bekannten, sanften Kaiserschnitttechnik, bei der sehr viel gedehnt und weniger geschnitten wird. Das hat den Vorteil, dass das Gewebe besser durchblutet bleibt und schneller wieder verheilt. Der Schnitt kann bei Belassen des Gebärmutterhalses sehr klein gehalten werden. (Die Gebärmutter muss gerade noch durchpassen). Wir halten die Bauchdecke nicht - wie üblich - mit harten Spreizhaken auf, sondern sanft mit Tüchern und Händen.
Dennoch ziehen wir, wenn es geht die Bauchspiegelung vor, da sie noch kleinere Wunden hinterlässt und die inneren Narben auch geringer ausfallen.
b) LASH (Laparoskopische Supracervicale Hysterektomie)
Diese Technik ist noch relativ neu und wird noch nicht von allen Kliniken angewendet. Sie erfordert gut trainierte Operateure und ausgereifte Technik der Bauchspiegelung. In unserer Klinik werden für diese OP ein 1 cm Einstich am Bauchnabel, zwei 0,5 cm Einstiche im Unterbauch und ein 1,5 cm Einstich im linken Unterbauch vorgenommen. Die Gebärmutter wird aus Ihrer Umgebung herausgetrennt und mittels elektrischem Messer vom Gebärmutterhals abgetrennt. Um die Gebärmutter aus dem Bauch herauszubefördern ohne einen größeren Schnitt zu machen, wird sie mit einem speziellen Gerät in kleine Streifen geschnitten, die dann durch die 1,5 cm Öffnung aus dem Bauch entfernt werden. Die Hautschnitte werden unter der Haut (unsichtbar) mit selbstauflösendem Faden genäht und mit einem speziellen Klebeverband überklebt.
In der Regel duschen unsere Patientinnen am 1. Tag nach der OP bereits und gehen am 2. Tag nach der OP nach Hause. Krankschreibung erfolgt für ca. 14 Tage.
Wir führen die LASH bis zu einem Uterusgewicht von 700 g durch, sofern die Form der Gebärmutter den seitlichen Zugang zu den uterinen Blutgefäßen ermöglicht.
Voraussetzungen für die LASH sind:
- Es besteht kein Verdacht auf ein Endometrium Karzinom
- DerKrebs-Abstrich ist unauffällig
- Die Patientin nimmt regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teil
- Der Uterus ist mobil und seitlich frei
- Es besteht kein zervikales Myom
Sehr selten kommt es trotz der bipolaren Kauterisierung des oberen Zervikalkanales noch zu sehr schwachen Regelblutungen (sog. Spottings), da manchmal die Gebärmutterschleimhaut bis in den Gebärmutterhalskanal hineinreicht. Wir gehen zunehmend dazu über, zur Vorbeugung einer Senkung die rundem Mutterbänder wieder an dem Gebärmutterrest zu fixieren. Damit bleibt der gesamte Halteapparat des Uterus weiterhin in Funktion. Die Haupthaltebänder bleiben ja sowieso bei dieser Methode erhalten.
|