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Die wichtigsten Antworten zum Thema Myomembolisation hier in Kurzform:

1.Was versteht man unter einem Myom?
Myome sind gutartige Muskeltumore, die bei 30 - 40 % aller Frauen in der Gebärmutterwand wachsen. Nach heutigem Wissensstand werden Myome nie bösartig, man kann sie aber mit bösartigen Gebärmuttertumoren verwechseln. Myome wachsen hormonabhängig, das bedeutet, daß sie unter Hormonentzug (z. B. während der Wechseljahre) oft schrumpfen. Myome können an verschiedenen Orten in oder an der Gebärmutter vorkommen. Entsprechend der unterschiedlichen Lage unterscheidet sich auch die Behandlung stark.

2. Wann sollte ein Myom behandelt werden?
Myome müssen eigentlich nur behandelt werden, wenn sie Probleme machen. Dies können schmerzhafte oder zu starke Regelblutungen sein. Myome können aber auch auf umliegende Organe drücken (Harnblase, Enddarm) und dort Beschwerden verursachen.
Selten ist es bei rasch wachsenden Myomen auch mal ratsam, diese operativ zu entfernen. Dann sollte behandelt werden, solange dies noch einfach und per Bauchspiegelung möglich ist, auch wenn die Myome bis dahin keine Beschwerden gemacht haben.

3. Was geschieht bei einer Myomembolisation (ME)?
Die Myomembolisation wurde erstmals 1997 von Dr. Scott Goodwin an der Universität Los Angeles, Kalifornien durchgeführt. Seit dieser Zeit wurden von interventionellen Radiologen Studien über diese Methode gemacht, die ebenfalls den Erfolg dieser Methode dokumentieren konnten.
Bei der Myomembolisation macht man sich die Eigenschaft zu Nutze, dass Myome sehr gut durchblutet sein müssen um zu "existieren". Sie haben meist eigene, größere Blutgefäße, die sie mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen.
Bei der Myomembolisation verstopft man diese Gefäße oder die großen Gebärmutterarterien mit Kunststoffpartikeln, so daß die Myome absterben, nicht mehr weiter wachsen und langsam schrumpfen.
Die gesunde Gebärmuttermuskulatur "erholt" sich von dieser Maßnahme, die Myome nicht.
Während der Myomembolisation wird ein sehr dünner Katheter über eine Arterie der linken oder rechten Leiste in örtlicher Betäubung zur Gebärmutter vorgeschoben. Dies geschieht unter Röntgendurchleuchtung. Wenn der Röntgenarzt das richtige Blutgefäß erreicht hat, werden die Partikel durch den Katheter gespritzt. Meist müssen mehrere Blutgefäße so behandelt werden.

4. Was sind das für Partikel, die gespritzt werden?
Die Partikel bestehen entweder aus Polyvinylalkohol (PVA) oder Gelatine - Microspheren. Sie haben eine Größe zwischen 0,35 und 0,5 mm. Die richtige Größe der Partikel ist für den Erfolg der Maßnahme wichtig.

5. Können die Partikel im Körper irgendwelchen Schaden anrichten?
Prinzipiell verstopfen die Partikel alle Blutgefäße, in die sie gelangen. Sollten sie in die falschen Gefäße gelangen, könnten sie dort auch Schaden anrichten. Daher wird vor jeder Injektion dieser Partikel mit Kontrastmittel die exakte Lage des Katheters kontrolliert.
Die PVA - Partikel werden seit über 30 Jahren verwendet und sind mehrere hunderttausende Male in der Medizin angewandt worden. Nebenwirkungen wie Abstoßungsreaktionen oder Allergien sind dabei nicht bekannt geworden.

6. Ist eine ME auch bei sehr großen Myomen anwendbar?
Bei Myomen zwischen 10 und 12 cm ist die Grenze der Methode erreicht. Wenn so große Myome absterben, kommt es häufiger zu Nebenwirkungen wie Infektionen, Fieber oder anhaltenden Schmerzen.
Auch wenn die einzelnen Myome nicht derart groß sind, die Gebärmutter aber so stark vergrößert ist, daß sie oberhalb des Bauchnabels zu tasten ist, rät man von der Myomembolisation aus den gleichen Gründen ab.

7. Kann jede Art von Myom mit einer ME behandelt werden?
Nein. Myome, die an einem Stiel an der Gebärmutter hängen, werden nicht embolisiert. Zum Glück kann ein geübter Gynäkologe solche Myome sehr einfach per Bauchspiegelung oder Gebärmutterspiegelung entfernen, ohne größere Narben zu hinterlassen.

8. Wie lange dauert der Eingriff?
Zwischen 1 und 2 Stunden, je nachdem wie einfach oder schwierig die Arterien aufzufinden sind und ob nur ein oder mehrere Gefäße embolisiert werden müssen. Die Patientinnen sind während des gesamten Eingriffs wach und können sich mit dem Arzt unterhalten.

9. Wie lange muß die Patientin im Krankenhaus bleiben?
Wir überwachen die Patientinnen nach dem Eingriff wenigstens 24 Stunden stationär im Krankenhaus. Wenn keine Komplikationen auftreten, können die Frauen meist am übernächsten Morgen nach der Embolisation nach Hause gehen.

10. Schrumpfen die Myome nach einer OP nur oder werden sie abgestoßen?
Die Myome schrumpfen in der Regel um 30% bis 50% ihrer Ausgangsgröße. Bisweilen "entledigt" sich die Gebärmutter von diesen abgestorbenen, vernarbten Resten, indem diese ausgestoßen werden. Das ist aber selten.

11. Wie lange dauert es, bis die Myome nach der ME zu schrumpfen beginnen?
Die meisten Ärzte untersuchen ihre Patientinnen ca. 3 Monate nach der Embolisation nach. Daher wissen wir, daß zumindest nach drei Monaten die Myome schon deutlich geschrumpft sind. Erste Effekte, wie z. B. kürzere oder weniger schmerzhafte Regelblutungen treten sogar schon nach 4 Wochen auf.

12. Welche Risiken bestehen bei einer ME?
Neben Kontrastmittelunverträglichkeiten (Allergie) und Blutergüssen im Bereich der Einstichstelle an der Leiste, besteht sehr selten die Möglichkeit, daß sich das abgestorbene Myomgewebe infiziert. Dieses kann in Einzelfällen zu hohem Fieber führen. Es sind Fälle bekannt geworden, bei denen dieses dazu führte, daß die Gebärmutter letztendlich doch operativ entfernt werden mußte.
In ca. 1% der Fälle kommt es nach der Embolisation zu einer Verminderung oder zum Versiegen der Eierstocksfunktion. Dies geschieht hauptsächlich bei Frauen kurz vor Eintritt der Wechseljahre. Dieses Phänomen kennen wir übrigens auch von der Sterilisation und von der operativen Gebärmutterentfernung. Dies hat etwas mit einer verminderten Eierstockdurchblutung zu tun.

13. In welchen Fällen ist eine ME ausgeschlossen?
Einzelne, sehr große Myome sind ungünstig für die Embolisation, dennoch gibt es auch hier Erfolge. Am besten eignen sich Befunde mit vielen, kleineren Myomen. Die Gebärmutter sollte dabei nicht größer sein als bei einer Frau Ende des 5. Schwangerschaftsmonats. Bei vorbestehender Kontrastmittelallergie oder Allergien gegen örtliche Betäubungsmittel raten wir ab. Wenn gestielte Myome vorhanden sind, oder einzelne Myome größer als 10 - 12 cm sind raten wir ebenfalls ab.
Die Patientinnen sollten nicht mehr den Wunsch haben, schwanger zu werden. In diesen Fällen empfehlen wir die Embolisation nicht.

14. Kann eine Frau nach einer ME schwanger werden?
Ja, es sind über 100 Schwangerschaften nach erfolgter Myomembolisation beschrieben. Aus zwei unterschiedlichen Studien kennt man insgesamt 29 Schwangerschaftsverläufe. Es traten 10 Fehlgeburten auf, 19 Kinder kamen gesund zur Welt, darunter einmal Zwillinge. Ein Kind starb unter der Geburt an einer Infektion der Mutter, die an Aids erkrankt war. Alle anderen Kinder waren gesund. Man kann wohl davon ausgehen, daß bei Schwangerschaften für das Kind keine große Gefahr besteht.
Da die Erfahrungen mit Schwangerschaften nach Embolisation aber noch zu gering sind, führen wir in Deutschland keine Embolisation bei Kinderwunsch durch. In den USA und in Frankreich ist man diesbezüglich "großzügiger".

15. Können embolisierte Myome nachwachsen?
Die erfolgreich embolisierten Myome wachsen nicht weiter. Sie wandeln sich als Narbe um, schrumpfen und bleiben dann so unverändert. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich nach einiger Zeit neue Myome in der bisher gesunden Gebärmutterwand bilden. Solange eine Frau noch unter dem Einfluß von Hormonen steht, ist dies möglich.

16. Kann eine ME auch negative Folgen haben?
In der Nähe der Gebärmutterarterie entspringen die Gefäßäste zur Blase und zur Scheide. Theoretisch wäre eine Verschleppung von Kunststoffpartikel in diese Äste möglich, so daß hier Schleimhautschäden entstehen könnten. Tatsächlich tritt dies aber nur äußerst selten auf.
In 1 % der Fälle kommt es zum vorzeitigen Ausbleiben der Regelblutung. Die Rate an Komplikationen wie Fieber, Infektionen, Blutungen etc. ist mit insgesamt 3% sehr gering. Gelegentlich können die Schmerzen nach der Embolisation so groß sein, daß sie für ein paar Tage mit starken Schmerzmitteln behandelt werden müssen. Vorsorglich geben wir ein Antibiotikum und vorbeugende Antithrombosemittel sowie ein leichtes entzündungshemmendes Mittel.

17. Welche Vorteile hat eine Embolisation gegenüber einem chirurgischen Eingriff?
Die Risiken einer Operation und der dazugehörigen Narkose lassen sich mit der Myomembolisation umgehen. Dazu gehören Verwachsungen im Bauchinneren, Blutungen, überschüssiges Narbengewebe (Keloid), Darmträgheit nach Operationen etc.
Die Erholung nach dem Eingriff erfolgt sehr viel schneller, als nach einer Gebärmutterentfernung. Viele Frauen möchten auch, daß ihre Gebärmutter erhalten bleibt.

18. Mit welchen Einschränkungen im alltäglichen Leben muß eine Patientin kurz nach einer ME rechnen?
Nach der Behandlung können sich die Patientinnen etwas abgeschlagen und müde fühlen, so daß sie eventuell keine 100% Leistungsfähigkeit erreichen. Es kann ein leichter Ausfluß auftreten, der bis zu 2 Wochen anhalten kann. Leichte Unterbauchschmerzen - ähnlich Menstruationsschmerzen - können in der ersten Woche ebenfalls vorhanden sein.

19. Wie verbreitet ist die ME mittlerweile in Deutschland?
Weltweit sind bereits ca. 30.000 Embolisationen durchgeführt worden und auch in Deutschland gibt es eine zunehmende Akzeptanz unter den Gynäkologen. Da für die Myomembolisation der Gynäkologe seine Patientinnen an den interventionellen Radiologen "abgeben" muß, ist eine besonders gute interdisziplinäre Zusammenarbeit und Aufgeschlossenheit beider Abteilungen Voraussetzung für den Einsatz dieser neuen Behandlungsmethode.
Die Myomembolisation ist in Deutschland noch kein fest etabliertes Verfahren, erfreut sich aber unter den Patientinnen zunehmender Beliebtheit.

20. Wird eine ME von der Krankenkasse getragen?
Wir hatten bisher keine Schwierigkeiten mit den Krankenkassen. Da das Verfahren einen nur kurzen (und damit kostengünstigen) Krankenhausaufenthalt nach sich zieht und die Patientinnen sehr schnell wieder im Arbeitsprozess stehen, hat man auch gute Argumente den Kassen gegenüber.

21. Gibt es Alternativen zur Embolisation?
Die Behandlung der Myome ist facettenreich und durch die Embolisation um eine gute Alternative erweitert worden. Der Trend geht weiter in Richtung minimalinvasiver Techniken. Dazu gehört auch die Gebärmutterentfernung mit Erhalt des Gebärmutterhalses und des Bandapparates. Dieses führen wir an unserer Klinik auch per Bauchspiegelung durch. Es werden immer noch zu viele Operationen mit Gebärmutterentfernung durchgeführt, die mit moderneren Methoden vermeidbar wären.

22..Wie hoch ist die Strahlenbelastung, die bei der Myomembolisation auftritt?
Im Rahmen der Myomembolisation ist es erforderlich, die Gefäße, die das Myom versorgen, mittels eines Katheters zu sondieren. Dies ist zurzeit nur unter Röntgenkontrolle möglich. Die Durchleuchtungszeiten sind, obwohl die gesammte Prozedur 1-2 Stunden dauern kann, sehr viel kürzer, da immer nur SEKUNDENLANG geguckt wird, wie der Katheter liegt. Nach Literaturangaben liegt die mittlere absorbierte Dosis für die Eierstöcke bzw. die Gebärmutter bei 0.1 - 0,15 Gray. Diese Dosis ist mit anderen Röntgenuntersuchungen des Bauchraumes vergleichbar. (sie entspricht etwa der Dosis einer Computertomographie) Obwohl man eine niedrige Dosis und kurze Durchleuchtungszeiten wählt, ist die Rate mit im Durchschnitt "etwa 0,15 Rad" (1,5 Milligray) "noch relativ hoch". Man ist trotzdem der Ansicht, dass das Risiko Nachwuchs mit genetisch bedingten Fehlbildungen zu bekommen, nicht erhöht ist. Dennoch sprechen sich die Radiologen bei Frauen mit Kinderwunsch gegen diese Methode aus. Untersuchungen zur Wahrscheinlichkeit, durch die Strahlen später an Gebärmutter- oder Eierstockkrebs zu erkranken gibt es nicht. Mittlerweile haben einige Arbeitsgruppen mitgeteilt, dass nach einer Myomembolisation eine Schwangerschaft üblicherweise normal verläuft und die ausgetragenen Schwangerschaften bei den Patientinnen normal waren und keine Komplikationen bei Kindern oder Müttern aufgetreten sind. Eine abschließende Wertung hinsichtlich einer Schwangerschaft nach Myomembolisation kann man jedoch noch nicht vornehmen.
 


 

 

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     Dr. med. Ingo von Leffern - Süntelstraße 11a - 22457 Hamburg                       Albertinen Krankenhaus - Hamburg

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